Aus der Zeitung

DIE RHEINPFALZ - NR. 236                                                                          DONNERSBERGKREIS                                                                         Samstag, II. Oktober 2003
Thema am Samstag: Walnüsse
Harte Schale, leckerer Kern
Walnuss-Zeit - Wenig beachtetes Gehölz - Veredelung in Biebelnheim
VON UNSERER MITARBEITERIN ANNA MARIA JUNG

Ganz ungeduldige Genießer können's kaum abwarten, bis sie herunterregnen,
sie "dengeln" mit Besenstiel oder Holzlatten in die mächtigen Baumkronen
und scheren sich den Teufel um braun verfärbte Hände:
Die frische Walnuss ist heiß begehrt. Jetzt ist Erntezeit, aber auch Pflanz-Zeit.
Einen Walnussbaum in den eigenen Garten zu setzen, will wegen seiner stattlichen Größe gut überlegt sein. Auf jeden Fall profitieren von seiner Anpflanzung viele Generationen: Er könnte bis zu 400 Jahre alt werden. Man braucht ein großes Grundstück, um dem ursprünglich aus dem Orient stammenden Walnussbaum (Juglans regia) genügend Platz zur vollen Entfaltung zu bieten, denn mit zunehmendem Alter kann er bei einer Höhe bis zu 45 Metern eine Bodenfläche von rund hundert Quadratmetern überschatten. Sechs Meter Abstand zum Nachbargrundstück oder zu Gebäuden und Mauern sind deshalb empfehlenswert, auch wenn das Nachbarschaftsrecht meist nur vier Meter vorschreibt. Ansonsten
ist der Walnussbaum ein unkompliziertes Gewächs: Er gedeiht an fast allen Standorten, vom lehmigen Sand bis tonigen Lehm, sogar auf sauren Böden. Nur an das Klima stellt er Ansprüche: Er liebt milde Winter und ist anfällig für Maifröste, weshalb die Auswahl der richtigen Edelwalnusssorte so wichtig ist. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, wie die gute Finkenwerder Nuss beweist: Sie ist vor den Toren Hamburgs heimisch. Wenig Beachtung findet der Walnussbaum leider hierzulande als Randkultur.
Auf stillgelegten Ackerflächen und Wiesengelände könnte er als landwirtschaftliche Sortimentsergänzung zusätzliche Einnahmequellen erschljeßen, wie einige Plantagen in Rheinhessen, an der Mosel, im Kölner und Stuttgarter Raum beweisen. Schließlich ist die Nachfrage nach Walnüssen sehr groß. Nicht umsonst werden pro Jahr etwa 20000 Tonnen aus Kalifornien, Frankreich und China nach Deutschland importiert.

Wer in seinem Garten einen wild aufgegangenen Nussbaum-Sämling entdeckt und ihn voller Vorfreude auf eine reiche Ernte zum Baum heranwachsen lassen will, muss sich in Geduld üben: Zehn Jahre mindestens, eher 15 bis 20 Jahre, kann es dauern, bis er Früchte trägt. Eine Veredelung dagegen beschert bereits nach wenigen Jahren eine kleine Ernte, manchmal schon im ersten Jahr. Der größte Vorteil besteht jedoch darin, dass man dem jeweiligen Standort entsprechend die richtige Nuss-Sorte auswählen kann. Gerade für Gegenden mit rauem Klima, wo immer die Gefahr später Maifröste den Blütenansatz gefährden kann, sollte deshalb eine robuste und frostunempfindliche Sorte ausgesucht werden.

Helga Lindemann ist echte Walnuss-Expertin.
Sie veredelt die Bäume seit 25 jahren.
Dazu werden auf die Triebe Edelreiser aufgepfropft
.
Helga Lindemann aus dem rheinhessischen Biebelnheim kennt sich damit bestens aus. Sie veredelt in großem Stil seit 25 Jahren Walnussbäume und beliefert damit Baumschulen, private Kunden und Besitzer von Walnuss-Plantagen.
Sie ist eine von sehr wenigen Spezialisten in Deutschland, weil die schwierige Technik der Veredelung viel Zeit und Geduld erfordert.
Jedes Jahr im Oktober legt sie bis zu 20 000 Nüsse aus, die in der Erde überwintern und im Frühjahr austreiben. Aus ihnen zieht Helga Lindemann die Unterlagen für die Veredelung, auf die dann die Edelreiser aufgepfropft werden.
Auch die Edelreiser zieht sie selbst: In ihrem "Muttergarten" wachsen Walnussbäume der von ihr favorisierten Sorten, von denen sie die besten Austriebe zum Pfropfen nimmt. Erst wenn das junge Nussbäumchen zwei Jahre alt ist und eine Höhe bis zu zwei Metern erreicht hat, kommt es in den Handel.
Mit gutem Grund hat sich die Veredelungs-Expertin, die sich auch im Ausland über dortige Methoden informiert, auf deutsche Nuss-Sorten konzentriert:
Sie entsprechen am besten den klimatischen Bedingungen. So verweist Helga Lindemann auf die Vorzüge der Moselaner oder auch der Geisenheimer Walnuss, die weitgehend unempfindlich sind gegen Frost, lobt aber auch die ostdeutschen Sorten wie "Jupiter" oder "Mars" und die besonders große Früchte tragende "Apollo".
Der Laie kann da nur staunen: Ganz penibel sind in ihrem Katalog die Sorten aufgelistet.
Bei der Spreewalder Walnuss klingt das so: Nuss mittelgroß (ca. 4,5 cm hoch, ca. 3,7 cm breit), oval geformt, Schale ziemlich glatt, vereinzelte Furchen gut geschlossen. Kern füllt die Schale ziemlich aus. 1 Kilogramm luftgetrocknete Nüsse ergibt 87 Stück, Kerngewicht 447 Gramm, Kernanteil 44 Prozent."
Die unterschiedlichen Feinheiten in Aroma, Aussehen, Größe der Walnuss und vor allem ihrem Ertrag bei der Ernte sind also Zucht-Ergebnisse, die auf langjährigen Erfahrungen und Forschungen, unter anderem auch der Fachhochschule in Geisenheim, basieren.
Dem hat der wild aufgegangene Sämling wenig entgegenzusetzen. Höchstens den Überraschungs-Effekt nach vielleicht fünfzehn Jahren, wenn dann doch die ersten Nüsse reifen.

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